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Vom Auslöser zum Signal

Damit aus einer potenziellen Schädigung, der so genannten Noxe, eine Schmerzempfindung entstehen kann, muss ein entsprechendes Signal über unsere Nervenbahnen weitergeleitet werden. Wir haben im vorherigen Kapitel gelesen, dass diese Weiterleitung elektrisch und chemisch erfolgt.

Wie aber wird aus einer Verletzung oder einer Entzündung ein elektrisches Signal?

Dazu sind so genannte Rezeptoren notwendig. Diese wandeln z.B. mechanische, thermische (Temperatur) oder entzündliche Reize in die „Sprache der Nervenzellen“ um und ermöglichen die Weiterleitung des Signals. Ein Reiz „erregt“ also eine Nervenzelle, wenn ein entsprechender Schmerzrezeptor an ihrem „Fühler“ diese Übersetzung ermöglicht. Dann sprechen wir von einem Schmerzreiz.

Die Anzahl (Dichte) verschiedener Rezeptoren ist je nach Körperregion unterschiedlich. Je mehr Rezeptoren für bestimmte Reize vorhanden sind, desto deutlicher und genauer können wir solche Reize dort „fühlen“. So gibt es z.B. in der Bauchgegend besonders viele Kälterezeptoren, und an unseren empfindlichen Fingerspitzen ist eine hohe Dichte an mechanischen Rezeptoren vorhanden.

Die Rezeptoren, die sich an den Nervenendigungen (also an den „Fühlerspitzen“ der Nervenzellen) finden, können verschiedene Reize in elektrische Erregung umsetzen:

Chemische Reize entstehen in erster Linie bei Entzündungen, und zwar durch die Einwirkung sogenannter Entzündungsmediatoren.
Sie werden im Bereich einer Entzündung – auch nach einer Verletzung - in großen Mengen gebildet, eine regelrechte „Entzündungssuppe“, auf die chemische Rezeptoren empfindlich reagieren – Entzündungen sind sehr schmerzhaft!

Abbildung 2: „Entzündungssuppe“

Welche Substanzen befindet sich nun in dieser „Entzündungssuppe“? Das sind in erster Linie Entzündungsmediatoren wie Histamin, Bradykinin oder die so genannte Substanz P.

Sie sind die Endprodukte einer biochemischen Reaktion, der Entzündungskaskade, und werden beispielsweise von bestimmten Zellen, den Mastzellen, produziert und in großen Mengen freigesetzt („Degranulation“).

Abbildung 3: Mastzelle in Degranulation

Im Zuge von Entzündungen und Gewebeschädigungen wird zudem der Nervenwachstumsfaktor (nerve growth factor, NGF) freigesetzt. Er bindet an spezifische Rezeptoren sensibler (d.h. reizempfindlicher) Nervenfasern und trägt wesentlich zur Verstärkung des Schmerzes bei.